Verbale und nonverbale Kommunikation im Vergleich: Merhabian Regel

Was ist die wirkliche Unterscheidung zwischen verbaler und nonverbaler Kommunikation hinsichtlich der Bedeutung in unseren Interaktionen? Das Eisbergmodell ist ein sehr bekanntes Modell, um die Beziehung zwischen verbaler und nonverbaler Kommunikation zu erklären. Als Hintergrund davon wird regelmässig die „Merhabian-Regel“ zitiert.

Vielleicht hast du schon einmal von der 7-38-55 Regel der Kommunikation gehört: 55% unserer Kommunikation wird durch Körpersprache vermittelt, 38% durch Stimmlaute und die letzten wenigen 7% durch Worte. Aber ist das wirklich wahr? Wie kommen die Forscher zu diesem interessanten Schluss?

Heute will ich versuchen dies zu beantworten. Ich werde die Unterschiede zwischen verbaler und non-verbaler Kommunikation untersuchen und etwas tun, das vielleicht ein wenig seltsam erscheinen mag, weil meine Seite normalerweise nonverbale Kommunikation befürwortet: Ich werde erklären, warum Körpersprache – mit all ihrer Macht – nicht genug ist.

Lasst uns Logik verwenden

Bevor wir eine tiefere Untersuchung durchführen über wie die Formel 7-38-55 zu stande kam und ob sie stimmt, lasst uns ein wenig altmodische Logik anwenden um unsere Frage zu beantworten – Wenn die verbale Kommunikation eine so kleine Rolle in unseren Interaktionen spielt, brauchen wir sie dann wirklich? Können wir es schaffen, ohne sie zu kommunizieren?

Hmm… es scheint als könnten wir dies bis zu einem gewissen Ausmaß. Ich kann meine Gefühle einfach genug ausdrücken und ich kann versuchen, mich pantomimisch auszudrücken in der Hoffnung dass Du mich verstehst. Aber auf der anderen Seite scheint es heutzutage eine ziemlich schwere Aufgabe zu sein. Versuch mal etwas komplizierteres zu sagen als “reich mir mal das Salz” wenn du in Schwierigkeiten bist. Wir könnten nicht einmal diese Konversation ohne Worte führen!

Wie kam es dazu?

Aber lasst uns einmal den wissenschaftlichen Weg probieren. Lasst uns versuchen unsere verbale und nonverbale Kommunikation zu analysieren um eine perfekte Formel zu finden, die erklärt, wie wir eigentlich interagieren.

Also haben wir ein Experiment gemacht. Und mit „wir“ meine ich Dr. Albert Mehrabian und mit Experiment meine ich zwei Studien, durchgeführt mit 30 Teilnehmerinnen, alle weiblich, in Jahr 1967.

Wie wurden sie durchgeführt?

Die kurze Fassung ist, dass in der ersten Studie die Probanten versuchen sollten, die Gefühle des Sprechers- basierend auf aufgenommenen Worten- in verschiedenen Tonfällen zu bestimmen. Die Teilnehmer hörten eine Kombination von Wörtern, die in ihrer Bedeutung variierten, in verschiedenen Tonfällen: Einmal positiv, einmal neutral und einmal negativ. Die Probandengruppe sollte nun die Gefühle des Sprechers bestimmen- basierend auf 3 unterschiedlichen Faktoren:

A. Das gesprochene Wort

B. Die Benutzung des Tonfalls

C. Die Kombination aus beidem

Die Schlussfolgerung: Im Falle, dass die der Tonfall in Vergleich zum Wort widersprüchlich war (z.B das Wort “Mörder” in einem weichen Tonfall gesprochen), wurde dem Tonfall eine größere Rolle bei der Bestimmung der wahren Gefühle des Sprechers .

 

Also, wie geht das jetzt?

 

In der zweiten Studie waren die Vorrausetzungen anders – wir haben das verbale Element ausgespart, in dem wir ein neutrales Wort gewählt haben (“vielleicht”) und überprüft haben, was wichtiger ist: Gesichtsausdruck oder der Tonfall? Also hatten wir 3 Gesichtsausdrücke in Kombination mit 3 Tonfällen um zu sehen, welche Komponente die größere Rolle spielt. Es ist ein einzelnes Wort, gesprochen in 9 verschiedenen Kombinationen.

Dieses Mal war das Ergebnis folgendes: Die Gesichtsausdrücke haben im Gesamturteil eine größere Rolle gespielt. Und zwar  1,5 mal mehr als der Tonfall.

Also wie kam diese Formel genau zu stande? Na ja, wir wissen es nicht genau, weil es nie veröffentlicht wurde. Aber anscheinend war es eine Art Super-Kombo-Mix aus diesen zwei Experimenten.

Was können nun damit anfangen?

Ich weiß nicht wie es dir geht, aber als ich das erste Mal davon gelesen habe war ich verblüfft. Ich meine, denk mal drüber nach – die bekannteste Formel von der man hört basiert auf… so einem Experiment?

Es ist fast wie, als ob Newton die Welt von der Schwerkraft zu überzeugen versucht hätte indem er sagte, dass er einen Apfel fallen gesehen hat… ohne überhaupt zu versuchen, dieses Phänomen zu beweisen.

Aber wie auch immer- es ist nicht wirklich Mehrabians Schuld, weil seine Erkenntnisse aus dem Kontext gerissen wurden und er sagte mehrere Male, dass es ihm sehr unangenehm ist, dass seine Arbeit so viele Male so missverstanden und generalisiert wurde.

Aber dies zeigt uns eine wichtige Sache:

 

Höre auf, dich zu stark auf Zahlen und Studien zu verlassen.

„Traue nur einer Studie, die zu eigenhändig gefälscht hast 🙂 “
Ich denke, dass viele Missverständnisse vermieden werden könnten, wenn wir anfangen würden über verbale und nonverbale Kommunikation ein wenig anders zu denken. Anstatt zu versuchen es in Prozentangaben zu unterteilen und versuchen herauszufinden, was “wichtiger“ ist, lasst uns versuchen es unter einen Hut zu bekommen indem wir jedem einzelnen eine spezifischere Rolle geben:

Die Rolle der verbalen Kommunikation wäre es,  unbearbeitete, rein informative und neutrale Daten zu übermitteln.

Die nonverbale Kommunikation würde benutzt werden um einen gewissen “Geschmack” in die sonst so “trockenen” Informationen zu bringen.

Also brauchen wir wirklich beides – ohne non-verbale Anhaltspunkte würden wir uns wie Roboter anhören, ohne den verbalen Bestandteil würden wir uns zu Neandertalern zurückentwickeln und wie verrückt pantomimisch umherhampeln.

Offensichtlich habe ich mich hier ein wenig verallgemeinert, da es uns auch möglich ist Emotionen durch Wörter (Bücher!) zu übermitteln und man kann auch Körpersprache benutzen um genaue Informationen zu übermitteln (Zeichensprache!)

Aber mein Punkt ist dieser – Hört auf in Werten zu denken, was wichtiger ist oder wie man dies genau messen kann – kenne dich einfach gut mit beidem aus – in verbaler und nonverbaler Kommunikation.

Ein weiterer mir wichtiger Punkt ist klarzustellen, dass jede Studie, die die Absicht hat Emotionen in Zahlen zu fassen ein wenig, na ja, ein wenig ungenau ist, meiner Meinung nach. Wie kann man wirklich anfangen, korrekt zu messen? Indem man mit einer Skala von 1 bis 10 arbeitet? Auch Skalierungen sind sehr relativ…

 

Fazit

Huh, Ich hoffe, ich habe dir mit diesen Ausführungen nicht das Ohr abgenagt, aber ich glaube, dass es wichtig ist, die Schlüsselideen hinter dem, was wir benutzen, zu verstehen. Es war wichtig, diese Punkte zu betonen weil mir diese Formel so gut wie jedes Mal unterkommt, wenn nonverbale Kommunikation erwähnt wird. Ich glaube, dass es eine so verbreitete Idee wurde, weil es so absurd (was es auch ist) und schlau klingt.

Also das nächste mal wenn du jemanden sagen hörst:

“Wusstest du, dass 93% unserer Kommunikation eigentlich über nonverbale Signale überliefert wird?

Sag ihm, er solle doch das nonverbal ausdrücken!

Auf der anderen Seite brauchen wir nonverbale Kommunikation offensichtlich nicht auszusortieren. Der Trick für eine machtvolle Kommunikationskombination ist das was du sagst mit dem was du tust zu kombinieren.

WAS Du sagst (Verbal), wirkt erst überzeugend mit dem passenden WIE (Nonverbal).