«Katzen im Klassenzimmer?!»
Wie du mit nonverbaler Kommunikation auch die ‚Unnahbaren‘ Schüler erreichst.
Manche Klassen spüren dich kaum, obwohl du alles gibst. Du erklärst klar, bist freundlich, engagiert – aber gewisse Schüler:innen bleiben reserviert oder blockieren komplett. Du erreichst sie nicht.
Warum? Vielleicht, weil du versuchst, sie „mit Hundesprache“ anzusprechen – obwohl sie „Katzen“ sind.
Aber keine Sorge: Das ist kein esoterisches Tierkreiszeichen-Denken, sondern eine geniale und sehr praktische Metapher, entwickelt von Kommunikationsprofi Michael Grinder. Mit diesem Modell bekommst du einen völlig neuen Blick auf Gruppenverhalten – und auf dich selbst.
Das Grundmodell: Hund & Katze – zwei menschliche Verhaltensstile
Stell dir zwei Tiere vor: einen Hund und eine Katze. Beide leben mit Menschen – aber auf völlig unterschiedliche Weise:
Der Hund
Hunde sind loyal, angepasst, sozial. Sie sind bestrebt, dem Menschen zu gefallen, sind anhänglich, sensibel für Stimmungen, harmoniebedürftig. Wenn man ruft, kommen sie. Wenn man schimpft, schauen sie schuldbewusst. Ihr Verhalten ist von außen steuerbar – durch Lob, Nähe und Anerkennung.
Die Katze
Katzen sind unabhängig, stolz, sensibel – aber auf eine andere Art. Sie kommen, wenn sie wollen. Sie wollen nicht gefallen, sondern entscheiden selbst, wem sie ihre Aufmerksamkeit schenken. Zuwendung muss verdient werden. Sie reagieren auf Führung nicht mit Gehorsam, sondern mit Beobachtung: Lohnt sich das? Ist das spannend? Will ich das?
👉 Wichtig: In jedem von uns steckt beides – ein Hund und eine Katze. Je nach Kontext, Erziehung, Stresslevel und Persönlichkeit zeigen wir mehr von dem einen oder dem anderen.
Und jetzt: Übertrag ins Klassenzimmer
Wenn du das Modell verstehst, wird plötzlich klar, warum manche Schüler:innen auf dich anspringen – und andere gar nicht.
Hunde-Schüler:innen
Sie wollen gefallen. Sie arbeiten mit, sind zuverlässig, ordnungsliebend. Sie schätzen Struktur, Lob und ein freundliches Klima. Sie übernehmen Verantwortung und strengen sich an, wenn sie merken, dass du sie magst. Kurz: Sie machen’s dir leicht.
Katzen-Schüler:innen
Sie beobachten. Sie testen. Sie entscheiden selbst, ob du Respekt verdienst. Sie reagieren skeptisch auf zu viel Nettigkeit oder emotionale Nähe. Und sie entziehen sich offener Kontrolle. Kurz: Sie machen’s dir schwer – solange du nicht verstehst, wie sie ticken.
🔑 5 nonverbale Schlüssel, um auch Katzen zu erreichen
1. Indirekt statt direkt
Katzen reagieren auf direkte Appelle oft mit Rückzug. Statt: „Max, konzentrier dich jetzt!“ – lieber: „Ich merke, die Konzentration im Raum lässt nach…“
Katzen hören mit – aber entscheiden selbst, ob sie folgen. Deshalb ist es sinnvoll, Spannendes im Raum zu „platzieren“, statt es direkt zu servieren.
2. Person oder Position?
In frühen Klassenstufen ist oft deine Person gefragt: Wärme, Beziehung, Sanftheit. In höheren Klassen brauchst du mehr Position: klare Körpersprache, innere Ruhe, weniger Emotion – mehr Präsenz. Wenn du beides steuern kannst, wirkst du souverän und flexibel.
3. CART – dein Profil als Führungskraft
Grinder beschreibt vier Qualitäten, die deine Wirksamkeit ausmachen:
Challenge – magst du Herausforderungen?
Ambition – strebst du nach Wirkung?
Risk – gehst du gern in unbekanntes Terrain?
Tension – kannst du Spannung halten?
Wer viele Hundeanteile hat, sucht Harmonie. Wer katzenartiger ist, mag Spannung und Eigenverantwortung. Als Lehrer:in solltest du beide Seiten entwickeln – besonders, wenn du Gruppen führen willst, in denen viele „Katzen“ sitzen.
4. Charisma ≠ Lautstärke
Charisma heißt: Du hast Wirkung, ohne viel sagen zu müssen. Du kannst mit einem Blick, einer Pause, einer bewussten Bewegung den Raum lenken. Besonders Katzen reagieren darauf. Sie wollen nicht gedrückt, sondern beeindruckt werden.
5. Stille ist Führung
Viele Pädagog:innen sprechen zu viel. Besonders dann, wenn sie Stress haben. Doch Stille, bewusst gesetzte Pausen, ein ruhiger Gang durch den Raum – das ist Führung pur. Wer in Stille wirken kann, zeigt wahre Souveränität.
🧩 Weitere Werkzeuge, die dich stärken
Stimmführung: Nicht nur was, sondern wie du etwas sagst, verändert alles.
Blickkontakt bewusst dosieren: Für Hunde verbindend, für Katzen bedrohlich. Nutze ihn gezielt.
„Amnesie“-Technik: Misslungenes Verhalten nicht emotional aufladen – sondern beobachten, reflektieren, abhaken.
Raumführung: Positioniere dich so, dass deine Präsenz wirkt – nicht deine Worte.
Kontextsensibilität: Schüler:innen aus prekären Lebenslagen zeigen oft katzentypisches Verhalten. Nicht aus Trotz – sondern als Schutz.
🎯 Fazit: Wer die Klasse besser führen will, muss nonverbal passend kommunizieren und die Klasse richtig lesen lernen.
Viele Herausforderungen im Klassenzimmer entstehen nicht durch lernmüde Schüler oder langweiligen Inhalt. Die richtige nonverbale Führung der Klasse und der «schwierigen» Schüler unterstützt eine funktionale Klassenkultur. Wenn die Lehrperson die Beziehungsebene richtig einsetzt, entsteht eine zusätzliche positive Wirkung
Wenn du lernst, dein eigenes Hund-Katze-Verhältnis zu verstehen – und dich in deiner nonverbalen Kommunikation bewusst zu steuern – wirst du:
✅ weniger kämpfen,
✅ mehr erreichen mit Schülern
✅ und dich selbst besser fühlen als Lehrperson
➡️ Das Wissen, das diesem Ansatz zugrunde liegt, stammt aus jahrzehntelanger Praxis von Michael Grinder – einem der führenden Experten für nonverbale Gruppenführung im Schul- und Trainingskontext. In unseren Weiterbildungen bereiten wir dieses Wissen praxisnah auf – und bringen es genau dorthin, wo es wirkt: in deinen Unterricht

